Vom Gedanken, aufzugeben

aufzugeben

Etwas aufzugeben, was einem sehr am Herzen liegt, sollte nie eine Option sein. Dazu möchte ich dir heute die Geschichte einer Frau namens Florence May Chadwick erzählen, einer amerikanischen Langstreckenschwimmerin und der ersten Frau, die den Ärmelkanal in beide Richtungen durchschwamm. Im Jahre 1952 stieg Florence auf der Insel Santa Catalina, 34km von der Küste Kaliforniens entfernt, ins eiskalte Wasser – fest entschlossen, als erste Frau von hier aus bis zum kalifornischen Festland zu schwimmen. An diesem Tag war es sehr nebelig, doch Florence schwamm immer weiter und weiter. In einem Begleitboot saßen ihr Trainer und ihre Familie; mehrmals mussten diese die Haie verscheuchen. 15 Stunden lang bewältigte Florence Kilometer um Kilometer, bis sie irgendwann nicht mehr konnte und ihren Trainer bat, sie ins Boot zu holen. Was sie nicht wusste: es fehlten nur mehr 800 Meter zum Ziel. Auf die Frage, warum ihr kurz vorm Ziel der Gedanke kam, aufzugeben, sagte sie:

Es war der Nebel. Wenn ich das Land hätte sehen können, hätte ich es geschafft. Es war der Nebel. Wenn man sein Ziel nicht sehen kann, gibt man irgendwann auf.

Manchmal ist es im Leben so. Wir befinden uns vielleicht nicht im eiskalten Wasser wie Florence, umgeben von Nebel; doch oft sind wir umgeben vom Alltagsstress, von Aufgaben und Pflichten, die uns die Sicht auf das Wichtige im Leben nehmen.

Aufzugeben sollte nie eine Option sein.

Oft ist es einfacher aufzugeben. Es würde für den Moment einiges erleichtern.

Für die Interviews, die ich geführt habe, verwendete ich immer ein Aufnahmegerät – das machte es mir einfacher, mich voll und ganz auf mein Gegenüber zu konzentrieren. Ich musste keine Notizen führen, sondern hörte interessiert zu. Zweimal hat dieses Gerät den Geist aufgegeben und ich habe nach den jeweils dreistündigen Interviews festgestellt: alle Daten sind gelöscht. Ich bin ehrlich: ich habe an diesen Tagen kurz überlegt, aufzugeben. Es fühlte sich an diesen Tagen so an, als ob alles, das ganze Universum, gegen mein Vorhaben wäre. Ich war erschöpft, schaltete mein Laptop aus und traf mich mit Freunden, um mich abzulenken. Doch das Ablenken hat leider nicht funktioniert. Ich war mit meinen Gedanken ständig bei diesen Interviews. Abends schaltete ich meinen Laptop wieder ein, habe bis mitten in der Nacht versucht, mich an jedes einzelne Detail zu erinnern und ich schrieb alles auf.

Wenn wir ein „Warum“ haben, ist es einfach nicht aufzugeben

Es gibt Momente, in denen einem unzählige Gründe einfallen, um aufzugeben, aber wenn dir etwas so sehr am Herzen liegt, fällt dir auch immer dieser eine Grund ein, warum du nicht aufgeben solltest.

In der Zeit, in der ich darüber nachgedacht habe, aufzugeben, hat mir persönlich eines geholfen: der Gedanke, warum ich überhaupt angefangen habe und wieso ich überhaupt die letzten Monate an meinem Projekt gearbeitet habe.

Wenn auch du einmal denkst, es geht nicht weiter, dann lausche still in dich hinein. Wir werden immer wieder Zweifel haben, das ist menschlich. Doch es gibt etwas, was dir immer wieder sagt, was du tun sollst: dein Herz. Und dieses Herz irrt sich selten.

Auch wenn der Weg manchmal dunkel erscheint, du vor lauter Nebel dein Ziel aus den Augen verlieren solltest, geh in dich hinein, meditiere, und hör auf deine innere Stimme, die dir immer wohlgesinnt ist.

Dein Herz zeigt dir den Weg. Auch wenn es manchmal hoffnungslos erscheinen sollte, ist es das nicht wirklich. Ein Stück des Weges liegt doch bereits hinter dir, und ein Stück liegt noch vor dir. Es ist in Ordnung, wenn du das Gefühl hast, du brauchst eine Pause, um dich zu stärken. Doch etwas aufzugeben, an das du jeden Tag denkst, sollte nie eine Option sein.


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