Glück ist eine Form von Mut

Mut

Gastautorin: Claudia Brüggen

Glück ist eine Form von Mut

Als ich diesen Satz zum ersten Mal lese, kann ich mich beinah laut denken hören „Ja! Absolut, keine Frage, genauso ist es!“. Dabei habe ich bis zu diesem Augenblick nie wirklich über den Zusammenhang von Mut und Glück nachgedacht. Doch dieser Satz bringt irgendetwas in mir zum Klingen und mir wird plötzlich klar, wie eng Glück und Mut in meinem Leben verbunden sind.

Vor Jahren als ich das erste Mal mit dem Gedanken spielte, alleine die Welt zu bereisen, war da eine große Ungewissheit und viele unbekannte Dinge, mit denen ich mich konfrontiert sah. Hinzu kamen die Zweifel von Familie und Freunden, die alleine reisen nicht unbedingt für die beste Idee hielten. All das war nicht gerade ein angenehmes Gefühl, aber auf der anderen Seite war da eindeutig irgendetwas in mir, das mutig sein wollte, das unbedingt diesen Schritt machen wollte, nein musste! Es wollte mir partout keine Ruhe lassen, bis ich nachgab. Rückblickend war das eine der besten Entscheidungen, die ich getroffen habe, denn Reisen hat mein Leben auf so viele Weisen verändert.
Ich glaube Mut steckt in jedem von uns. Mut ist wie ein Vulkan, er brodelt ständig unter der Oberfläche und will ausbrechen. Doch viele Menschen geben sich allergrößte Mühe, dass das nicht passiert, dabei bin ich mir sicher, öfter mal einen Mutausbruch zu haben, würde uns allen ziemlich gut tun.

Aber was genau hat Glück mit Mut zu tun? Und wie fällt es dir leichter mutig zu sein?

Wenn wir mutig leben, leben wir authentisch und das macht glücklich.

„Courage“ das englische Wort für Mut, ist auf  das Wort cor, lateinisch für Herz, zurückzuführen. In eine seiner frühesten Formen bedeutete courage nach Brené Brown: „To speak one’s mind by telling all one’s heart.“ Und auch auf Deutsch findet man eine solche Verbindung. Schlägt man z.B  „beherzt“ im Duden nach, so wird es mit „mutig sein“ definiert.  Mut ist, nach der Wahrheit in unserem Herzen zu leben, unsere eigenen Wünsche und Gefühle als echt anzuerkennen und das ungeachtet der Ungewissheit, die uns begegnet. Unabhängig davon was andere von uns denken, wollen oder erwarten und frei davon, ob der Weg zum Ziel einfach oder schwer ist, ob wir das Ergebnis bekommen, was wir uns wünschen oder nicht.

Was uns am Mutigsein glücklich macht, ist NICHT in erster Linie das Ergebnis unseres mutigen Handelns, sondern die Tatsache, dass wir unserem Herzen gefolgt sind.
Wir haben hingehört, was es uns zu sagen hat, wir akzeptieren es, erkennen es an und handeln danach. Das Faszinierende daran: mutig sein macht selbst dann glücklich, wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir es uns vorgestellt haben. Bzw. wer mutig seinem Inneren folgt, für den ist Hinfallen plötzlich nicht mehr die größtmögliche Katastrophe, kein Grund zum Aufgeben, im Gegenteil, es ist sogar eine wunderbare Möglichkeit etwas Neues zu lernen.

Wer seiner inneren Stimme folgt, geht nicht immer einen einfachen Weg ohne Stolpersteine. Im Gegenteil! Zum Beispiel liebe ich es zu schreiben. Inzwischen studiere ich Drehbuch und veröffentliche ab und zu Artikel in Zeitschriften. Der Weg hierhin war bei weitem nicht immer einfach und ist es auch noch nicht. Zum Beispiel galt es nach meinem abgeschlossenen Kognitionswissenschaftsstudium, die schwierige Entscheidung zu treffen, ob ich noch einmal von vorne anfangen und Schreiben zu meinem Beruf machen sollte. Außerdem gibt es die Leute, die das, was ich schreibe lieben, aber es gibt auch die, die gar nichts damit anfangen können. Mal hab ich Erfolg, ein anderes Mal bekomme ich eine Absage. Aber vollkommen egal wie oft ich beim Schreiben auf die Nase falle, ich werde nicht aufhören, weil ich es einfach zu sehr liebe. Wenn du mutig genug bist aus deinem Herzen zu leben, ist es egal, wenn Hindernisse auf dem Weg liegen, weil du das, was du tust so sehr liebst, dass du damit umgehen kannst.

Je öfter wir unserem Herzen folgen, desto einfacher wird es, bis es irgendwann gar keinen Mut mehr erfordert. Unsere Komfortzone erweitert sich auf diese Weise ständig, bis wir ihre Grenzen irgendwann nicht mehr sehen können.

Inzwischen ist alleine reisen für mich das Normalste der Welt. Ich habe auf Reisen unzählige, einzigartige Momente erlebt, habe wunderbare Menschen getroffen und unendlich viel gelernt. Aber ich lag auch schon in Vietnam mitten im Nirgendwo krank alleine im Bett, musste meine komplette Reiseplanung über den Haufen werfen oder habe mit Kakerlaken und Bettwanzen in einem Zimmer geschlafen. Ja, das war in der Tat weniger schön, aber es hat mich nicht ein einziges Mal daran zweifeln lassen, dass es die richtige Entscheidung war, auf Reisen zu gehen. Im Gegenteil, gerade durch die weniger schönen Momente habe ich gelernt, dass ich viel mehr kann als ich dachte. In schwierigen Situationen wachsen wir und stärken das Vertrauen in uns selbst.

Mut

Wie du herausfindest, was du willst

Mut hilft dir zu realisieren, was du wirklich willst. Wir haben viele Träume, aber nicht alle sind zwangsläufig unsere eigenen, doch oft ist uns das nicht bewusst. Vielleicht merken wir gar nicht, das wir gerade den Traum unserer Eltern träumen oder einem Medienideal genügen wollen, was gar nicht unser eigenes ist. Wenn wir aber von Träumen ins Machen kommen, merken wir schnell, an was unser Herz wirklich hängt. Nehmen wir Schreiben als Beispiel. Wenn du es wirklich willst, dann wirst du die Rückschläge auf dem Weg in Kauf nehmen, ohne das Schreiben deshalb weniger zu lieben. Wenn du hingegen nur schreibst, weil dir irgendwer einmal diese fixe Idee in den Kopf gesetzt hat, werden die Rückschläge tödlich sein und du wirst keinen Spaß mehr an dem haben, was du tust, weil dein Herz nicht leidenschaftlich dafür schlägt, Geschichten auf Papier zu bringen.

Du findest heraus, was du willst, indem du herausfindest was du nicht willst.  

Ich habe einmal ein Praktikum beim Radio gemacht, weil ich dachte, das wäre etwas für mich. Es hat sich jedoch schnell herausgestellt, dass dem nicht so war.  Anstatt diese Erfahrung als vertane Zeit zu sehen, war ich dankbar, dass ich daraus gelernt hatte, was ich nicht wollte. Hätte ich es nie versucht, würde ich vielleicht heute noch davon träumen beim Radio zu arbeiten.

Mut im Alltag

Wenn wir an Mut denken, dann kommen uns oft als erstes die Verwirklichung unserer großen Ziele in den Sinn. Dabei übersehen wir oft die vermeintlich kleinen, alltäglichen Dinge, die ebenfalls Mut erfordern: wie anderen Grenzen zu setzen und die eigenen Grenzen zu respektieren; sich einem anderen Menschen gegenüber verletzlich und authentisch zeigen; seine Meinung zu sagen oder jemandem seine Gefühle zu gestehen. Auch positive Gedanken, negativen vorzuziehen, ist mutig; oft ist es einfacher, sich dem Selbstmitleid hinzugeben. Ebenfalls erfordert es Mut, genau das zu tun, worauf du gerade Lust hat. Zum Beispiel: du willst gerne essen gehen und dann ins Kino, aber keiner will mit? Dann geh einfach alleine! Beim ersten Mal wird es dir vielleicht ein wenig komisch vorkommen, aber bald wirst du deine eigene Gesellschaft viel mehr zu schätzen wissen und dich fragen, warum hab ich das nicht schon früher mal gemacht.

Mut sind nicht immer die großen Dinge, manchmal ist es auch einfach nur die leise Stimme am Ende des Tages die sagt, ich versuche es morgen noch einmal.

Es gehört im Übrigen auch sehr viel Mut dazu, Schmerzen zuzulassen anstatt sie zu verdrängen.  Auch wenn es vielleicht ein wenig paradox klingt, tut es uns im Endeffekt gut, den Schmerz zuzulassen. Denn das Herz sagt, der Schmerz ist echt; es fordert ein, dass du ihn anerkennst, weil es gleichzeitig bedeutet, dein Herz im allgemeinen anzuerkennen, sein Urteil ernst zu nehmen. Wenn du durch Verdrängung deinem Herzen suggerierst, dass das was es fühlt nicht echt ist, kannst du irgendwann, bei positiven Gefühlen, auch nicht mehr auf auf dein Herz zählen; du hast ihm die ganze Zeit beigebracht, das, was es fühlt zu betäuben und nicht ernst zu nehmen.

Mut

Sei mutig! Ist immer einfach gesagt, aber nicht immer so einfach getan.

Wie also kannst du mutiger werden?

  • Verändere deine Perspektive. Oft tun wir Dinge nicht, weil wir Angst haben, dass es nicht so läuft, wie wir uns erhoffen. Wenn du aber anfängst, Dinge die schief gehen, nicht als Katastrophe zu betrachten, sondern als eine Möglichkeit zu lernen, daran zu wachsen und mit mehr Selbstvertrauen daraus hervor zu gehen, verliert die Angst ihre Macht.
  • Das Gegenteil von Angst, ist für mich Vertrauen. Hab Vertrauen, dass dein Herz weiß was gut für dich ist und gib dir einen Vertrauensvorschuss – glaub mir, du kannst viel mehr Dinge meistern, als du glaubst.
  • Nimm dir den Druck perfekt sein zu wollen, keine Fehler zu machen und alles zu kontrollieren. Henry Ford sagte einmal „Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“ Viele geben also bereits auf, bevor sie überhaupt angefangen haben; weil sie glauben für den Weg, der vor ihnen liegt, nicht gewappnet zu sein. Oder anders gesagt, sie haben nicht das Wissen, welches für diesen Weg notwendig ist. Die meisten vergessen dabei, dass das vollkommen in Ordnung ist, dieses Wissen nicht zu haben. Dafür ist schließlich dieser Weg da – um genau dieses Wissen zu erwerben. Mutig sein bedeutet auch, immer etwas Neues zu lernen und man kann nur dann lernen, wenn man etwas NICHT weiß. Als du in der Schule angefangen hast Englisch zu lernen, bist du ja auch nicht davon ausgegangen, dass du die Sprache am nächsten Tag perfekt sprichst und nur Einsen schreibst.

Über die Gastautorin:

Claudias Herz schlägt für die weite Welt. Sie hat mehr als 20 Länder bereist, ein Auslandsemester in NYC verbracht und in Thailand Imagefilme gedreht. Aufgrund ihrer Leidenschaft für das Schreiben hat sie nach ihrem abgeschlossenen Kognitionswissenschaftsstudium begonnen Drehbuch & Film zu studieren. Auf Travel Be Curious schreibt sie über Reisen, Lernen und persönliche Weiterentwicklung.

10 Kommentare

  1. Karolin sagt:

    Ein ganz wundervoller Text ❤ Da steckt so viel Wahrheit drin, wir wünschen uns doch alle ein klein wenig mehr Mut in unserem Leben! Viel Erfolg weiterhin. Alles Liebe, Karo

  2. Niedereder Annemarie sagt:

    Ein sehr schöner Artikel mit vielen Gedankenanstößen!

  3. Claudia sagt:

    Liebe Karolin und liebe Annemarie,
    vielen Dank! Es freut mich sehr zu hören, dass euch der Post gefällt 🙂
    Alles Gute und liebe Grüße
    Claudia

  4. Sylvia sagt:

    Genau so ist es! Stimme dir sehr zu, lebe danach, über 50 Länder bereist, bis auf wenige kurze Ausnahmen alleine, mag ich auch lieber. Viele beneiden mich, machen es aber trotzdem nie selbst. Öfter mal bin ich unbeliebt weil ich sage was ich mir denke oder Sache ist. Reisen ist meine Welt, low budget auch noch nach mehr als 30 Jahren, solange es eben nich geht. Ja, es erfordert oft Mut um dahin zu gehen oder das zu tun was die Masse nicht macht, oft ist es hart, nicht immer nur erfreulich, aber es gibt mir soviel! Und gerade die Erinnerungen sind das, was mir nie mehr jemand nehmen kann und von denen ich immer zehren kann und es mich erfreut. Lg auf Reisen aus Ecuador gerade

  5. Rianna sagt:

    Wunderbare Worte. Spontan dachte ich an das Buch Glück von Dr. Eckart v Hirschhausen. Er schreibt Glück ist ein Abfallprodukt eines Lernprozesses. Wir gehen durch den Wald essen grüne Beeren, finden eine rote, sie schmeckt viel besser, wir empfinden Glück. Damit hat er bestimmt recht. Hat aber auch mit Mut zutun die Beeren überhaupt zu probieren 🙂 danke für diesen inspirierenden Beitrag. Liebe Grüße Rianna

  6. Markus sagt:

    Ein schöner Text. Und inspirierend. „Wie du herausfindest was du willst“ ist wirklich ein guter Teil. Es ist ja oft genug das schlichte Problem „Erkennen“ das Problem. Nichtmal das umsetzen. Wenn man erstmal weiss in welche Richtung es gehen sollte, dann kann einen nichts mehr aufhalten 🙂

    Grüße

  7. Claudia sagt:

    Liebe Sylvia,
    freut mich sehr, dass du dich in dem Text wiederfinden konntest! Genieß deine Zeit in Ecuador und alles Gute!

    Liebe Rianna,
    danke dir für die lieben Worte! Ich hab das Buch nicht gelesen, aber das Zitat „Glück ist ein Abfallprodukt eines Lernprozesses“ finde ich total spannend! Vielen Dank fürs Teilen 🙂

    Lieber Markus,
    schön gesagt “ Wenn man erstmal weiss in welche Richtung es gehen sollte, dann kann einen nichts mehr aufhalten“ dem kann ich nur zustimmen und ich freue mich, dass dir der Post gefallen hat 🙂

    Liebe Grüße
    Claudia

  8. Julia Niklass sagt:

    Ich bin gerade sehr berührt. Der Beitrag trifft mich im wahrsten Sinne mitten ins Herz; beschreibt er doch viele Dinge, die auch mich gerade umtreiben (verrückterweise sind es ausgerechnet auch das Reisen und Schreiben). Ich würde ja sagen, dass der Text mir Mut macht. Aber das ist zu passiv – aber vielleicht werde ich nun mutiger? Es lohnt sich einfach nicht ein Leben zu leben, dass von Erwartungen anderer getrieben ist. Danke für deine Zeilen, Claudia! Liebe Grüße, Julia

  9. Gina sagt:

    So ein toller Text! Ich bin selber gerade in dem Lernprozess, herauszufinden wofür mein Herz wirklich schlägt. Nach einem Jahr Weltreise, in dem ich viel über mich gelernt habe, suche ich gerade danach, wie mein Weg zuhause weitergehen soll. Mit Mitte Fünfzig nicht ganz einfach, aber ich will auf keinen Fall in die alten Muster zurück.
    LG
    Gina

  10. Claudia sagt:

    Liebe Julia,

    ich habe mich wirklich sehr über deinen Kommentar gefreut! Es ist ein schönes Gefühl zu hören, dass das was ich schreibe dir gefällt 🙂

    Liebe Gina,

    ich finde jeder Lernprozess ist auch wie eine Reise, hat seine Höhen und Tiefen und wunderbare Momente. Es gibt immer etwas Neues zu lernen und das mag ich sehr.
    Für mich ist es aber auch oft eine Herausforderung, nach einer langen Reise wieder nach Hause zurückzukehren, denn Reisen verändert und oft kommen wir nicht als die gleiche Person zurück nach Hause.

    Viel Erfolg auf deinem Weg!

    Liebe Grüße

    Claudia

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